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https://striezelmarkt.dresden.de/de/markttreiben/geschichte/weihnachtserinnerungen.php 17.09.2019 15:17:23 Uhr 14.11.2019 09:23:52 Uhr

Weihnachtserinnerungen

Seit gut 200 Jahren ist in den oftmals schwelgerischen Erinnerungen Reisender, Künstler und berühmter Dresdner allerlei Schwärmerisches über die Dresdner Weihnachtszeit zu lesen.

Wie der Dresdner Weihnachtsmarkt in der Biedermeierzeit aussah, hat ein »Liebhaber der deutschen Reimkunst« in einer »Langen Ära« besungen. Sie war bei Buchbinder Benjamin Brückmann in der Breiten Straße 63 zu haben. Ein Vers daraus lautet:

»Bey Puppen-Buden sieht man hier
beynah mehr Leute stehen,
als Menschen, nach Pflicht und Gebühr
zur lieben Betstund gehen.«

Wilhelm von Kügelgen

Wilhelm von Kügelgen schildert in den »Jugenderinnerungen eines alten Mannes« seine Eindrücke vom Dresdner Striezelmarkt wie folgt:

»Uns Kinder lockte jener Markt, der nach einem eigentümlichen Backwerk der Striezelmarkt genannt wird. Acht Tage vor dem Feste pflegte sich der Dresdner Altmarkt mit einem Gewimmel höchst interessanter Buden zu bedecken, die abends erleuchtet waren und große Augenlust gewährten. Das Glitzern der mit Rauschgold, mit bunten Papierschnitzeln und goldenen Früchten dekorierten Weihnachtsbäume, die hellerleuchteten, kleinen Krippen mit dem Christuskinde, die gespenstigen Knecht Rupprechts, die Schornsteinfeger von gebackenen Pflaumen, die eigentümlichen Wachsstockpyramiden in allen Größen, endlich das Gewühl der Käufer und höfliche Locken der Verkäufer ... alles regte festlich auf.«

Ernst Rietschel

Die damaligen Lebensverhältnisse »kleiner Leute« kann man erahnen, wenn sich der Bildhauer Ernst Rietschel an seine Jugend erinnert:

»Mein Vater ging häufig zum Weihnachtsmarkt, auch zu anderen Zeiten nach Dresden, wo er für meine Tante daselbst, die ein kleines Kaufmannsgewölbe nach dem Tode ihres Mannes fortführte, einen kleinen Unterhandel übernahm, indem er gebrannte Runkelrüben, die vom Volk als Surrogat-Kaffee verbraucht wurden, vielleicht 30 bis 40 Pfund holte, in einem Sack auf dem Rücken von Dresden nach Pulsnitz fünf Stunden Wegs trug, mit noch manchen anderen ins Gewicht fallenden Dingen, die er in Kommission anderer Leute mitbrachte. Mein Vater, der diese Runkelrüben im einzelnen verkaufte, hatte von jedem Pfunde einige Groschen Gewinn, was ihm seine Mühen bezahlt machte.«

Julius Winkler (1850)

In einer leider nahezu vergessenen Erzählung »Der böse Dreier oder Ehrlich währt am längsten« von Julius Winkler ist eine umso rührendere Sozialstudie aus dem Jahre 1850 vorzufinden:

»An einem Heiligen Abend, an dem der Wind pfiff, Eisblumen an den Fenstern entstanden und der Schnee unter den Fußtritten der Passanten knirschte, boten die drei Geschwister Ernst, August und Christel, unverdrossen noch ihre letzten Pflaumenfeuerrüpel mit klappernder Stimme zum Kauf feil. Endlich näherte sich eine behäbige Bäckersfrau, der ein Dienstmädchen mit einem schweren, mit Geschenken vollbepackten Tragekorb folgte. Durch die frierenden Kinder gerührt, rief diese: "Madam, nehmen Sie doch ein paar solche Schwarze mit!" Das tat jene auch und fragte die Kinder gutmütig: "Wer sind denn eure Eltern?" "Unser Vater ist der Schuhmacher Badler", sagte Ernst, "und wir machen zu Weihnachten Feuerrüpel, damit wir etwas verdienen".«

Carl Canzler (1865)

Im Laufe der Jahrhunderte öffnete der Dresdner Striezelmarkt auf verschiedenen Plätzen der Stadt seine Pforten. Der Ratsaktuar Carl Canzler macht sich im Jahre 1865 durchaus kritische Gedanken:

»Welch' verändertes Bild gewährt gegen sonst unser guter Striezelmarkt! Wo ehedem an den Häuserfronten des Altmarkts und den angrenzenden Straßen die kleine lebensfrohe Verkaufswelt mit ihren Pyramiden, Feuerrüpeln ... und anderen historischen Christkindherrlichkeiten feilhielt, ist alles öd und leer! Es heißt, Dresden werde Großstadt, und einer Bekanntmachung zufolge sind alle diese armen Menschen, die hier ihr Weihnachtsgeschäft machten und auf die Barmherzigkeit mitleidiger Menschen angewiesen waren, von nun an auf den Antonsplatz verwiesen. Wer wird die Ärmsten dort aufsuchen?«

Kurt Arnold Findeisen

Dagegen sorgenlos scheint der beliebte Heimatschriftsteller Kurt Arnold Findeisen, als er im »Goldenen Weihnachtsbuch« unter anderem schreibt:


»In allen Ecken eine süße Mandel.
So wohlerzogen sei Dein Lebenswandel.
Es hat mein Herz geparkt
zum Dresdner Striezelmarkt
bei Dir!
Vielgeliebtes Mariandel,
meines Daseins süße Mandel,
meines Lebens Zuckerhut,
ei, wie tut die Liebe gut!«

Max Zeibig (1923)

In seinem Werk »Die Poesie der Gasse zu Weihnachten« beschreibt Max Zeibig 1923 die Dresdner Weihnacht folgendermaßen:
»Inmitten der fröhlichen fleißigen Welt, über die aus unerschöpflichem Füllhorn buntes Spielzeug, das märchenbunte Entzücken der Kleinen, ausgeschüttet war, stand der Stollen. Das Singen und Klingen um ihn nahm bis zuletzt kein Ende, denn die Leute aus Klingenthal und Markneukirchen waren da mit ihren Harmonikas, ihren Geigen und sonstigen Instrumenten. Weihnachtslieder und Militärmärsche erklangen in sorglosem Durcheinander, als sollte das gewickelte Kindlein, der Stollen, mit Klingklang und Gloria in der Welt empfangen werden. ... Wenige Wochen aber vor Weihnachten saß meine Mutter mit den Geschwistern und machte aus Holzstäbchen und kleinen Ruten und getrockneten Pflaumen, darauf Schaumgold getupft wurde, sogenannte Pflaumenruprechte, die mein Freund dann in der Weihnachtswoche auf der Straße verkaufte.«

»Weihnachten 1945«

(Weh-)Mut, Hoffnung, aber auch Zuversicht spiegeln sich in den Zeilen »Weihnachten 1945« über das erste Nachkriegsweihnachten in Dresden wider:


»Weiße Flocken spielen im Wind,
decken Trümmer, Haus und Baum,
Weihnachtszauber wie als Kind
zieht vorüber uns als Traum.
Abendlicher Striezelmarkt!
Alles, was beglückt uns hat:
Lichterglanz und Glockenklang
Weihnacht in der alten Stadt.«

Werner Ehlich (1972)

1972 berichtet Werner Ehlich, Autor zahlloser lokalgeschichtlicher Beiträge, in seinen »Advendserinnerungen eines Dresdners« folgendes:
»Acht Tage vor Weihnachten begann der Striezelmarkt. Da waren die Buden mit Pulsnitzer Pfefferkuchen, erzgebirgisches Spielzeug, Posamenten, Bänder und Plauener Spitzen, Kunstblumen, Pantoffeln und Hausrat. Im warmen Schein der armseligen Petroleumlampen, welche die Buden erhellten, wirkte alles zauberhaft, erst recht, wenn Schnee lag. Wie blinkte da der angebotene Christbaumschmuck, zu dem nicht nur Thüringer Glaskugeln, Sterne und Lametta gehörten, sondern auch die bunten, oft verzierten Wachskerzen und die Wachsstöcke. Kam man dann am ersten Feiertag über die Striezelmarktplätze, war bereits jede Bude über Nacht verschwunden und alle Reste zusammengekehrt. Das war bezeichnend für die als besonders sauber geltende Stadt.«

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